Teure Freundin im HErrn!
Den inliegenden1) Brief schrieb ich Ihnen in Pommern, wann weiß ich nicht mehr, Sie werden den Datum schon finden, und gab ihn Jemand, der nach Berlin reiste, mit, allein der versorgte ihn so schlecht, dass er jetzt vor zwei Tagen wieder in meine Hände kam, und ich ihn also zum zweiten Male an Sie abgehen lasse, doch dieses Mal auf dem sicheren Wege der Post, damit Sie ihn endlich zu sehen und zu lesen bekommen. Ich habe in Pommern überall viel Hunger und Eifer gefunden zu meinem Erstaunen. Von Seehof, wo v. Below und Zahn sind, bin ich zurück nach Triglaff zu Thadden und Senft, die auch eine zahlreiche Herde hatten, die auch selbst Erbauungsstunden mit großem Segen halten, weil sie keine evangelischen Prediger haben, aber nun bekommen sollen. Mit ihnen und ihren Familien ging ich nach Rewald an den Strand, wo sie das Seebad gebrauchten, ich mit, doch zugleich hielten wir da in dem Dorf Erbauungsstunden den Leuten, die nie ein Evangelium hörten, und sie waren so hungrig und eifrig, dass das ganze Dorf und die umliegenden Dörfer kamen und herbeieilten, Hausflur und Hof erfüllten und dem HErrn dankten. Der Prediger im benachbarten Orte H. lästerte auf der Kanzel schrecklich über uns, desto mehr eilten die Leute herbei und freuten sich des nie gehörten Wortes von ihrer Seligkeit. Von Triglaff fuhr ich nach Denzig bei Neumedel zu den Herren v. Höfel und Sydow, wo ich noch mehr Hunger und Verlangen fand. Aus den Städtchen Callis, Neuwedel und allen Dörfern strömten sie bei Höfel in Denzig zusammen, wollten fast nicht mehr weggehen. Die Pommern sind ganz eigene Menschen, kalt wie Stein, aber wenn sie erwachen, zerflossen wie Wasser. Von Denzig kam ich nach Negebruch zu den Mennoniten, die mir gleich den ersten Abend ihre Kirche öffneten und sich versammelten, um meine Predigt zu hören; mit viel Liebe ersuchten sie mich, bald wieder zu kommen. Kurz, ich kann Ihnen nicht beschreiben, was mich der HErr auf dieser Missionsreise für Stunden der Gnade und Liebe hat erfahren lassen. O beten Sie, dass Sein Reich komme und Sein Name geheiligt werde. Er ist freundlich und Seine Gnade währt ewig. Grüßen Sie alle christlichen Seelen, die zu Ihnen kommen, besonders ihre Kinder, und beten Sie für
Ihren Gossner.